Predigt von Pastor Matthias Lasi für den Sonntag Jubilate 3. May 2020

Johannes 15,1-8

1 Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater der Weingärtner.

2 Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, nimmt er weg; und eine jede, die Frucht bringt, reinigt er, dass sie mehr Frucht bringe.

3 Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe.

4 Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht an mir bleibt.

5 Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.

6 Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt die Reben und wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen.

7 Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren.

8 Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und werdet meine Jünger.

 

Predigt

Liebe Gemeinde!

Thema der Predigt heute ist das Gleichnis vom Weinstock und den Reben. Ich bin mir ziemlich sicher, ihnen ist dieser Vergleich bekannt. Jesus sagt von sich: Ich bin der Weinstock und uns bezeichnet er als die Reben. Soweit so gut. Aber vielleicht geht es ihnen wie mir. Als ich den ganzen Abschnitt im Johannesevangelium nach langer Zeit wieder einmal gelesen habe, war ich überrascht, was noch alles dabeisteht.

 

 

Das Bild, das hier gemalt wird, ist schnell einzusehen. Der Weingärtner, der seinen Weinberg hegt und pflegt. Pfähle werden gesteckt, Rebstöcke festgebunden oder abgeschnitten. Sonne und Regen lassen die Trauben gedeihen. Aber dann erscheinen Sätze, die stören das Bild. Wir sollen merken: Allzu lange sollen wir nicht beim Bild bleiben. Bis in alle Einzelheiten lässt es sich nicht übertragen.

 

„Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun. Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt …“ Diese Verse erwecken den Eindruck, als fordere das Gleichnis auf zum Frucht bringen. Der erste Eindruck beim Lesen scheint, als solle man angetrieben werden zur Aktivität. Auf, los, Frucht bringen! So als wären wir die Weingärtner.

Aber Vorsicht: Was bewegt sich denn in diesem Weinberg? Als Weingärtner wird ausdrücklich Gott genannt und das gleich am Anfang.

 

Es scheint Jesus wichtig zu sein. Gott selber hegt und pflegt. Er hat die Arbeit im Weinberg. Sonst bewegt sich nichts außer den Blättern im Wind. Der erste Eindruck trügt also. Das Gleichnis fordert nicht auf zur Aktivität. Keine Leistung wird angemahnt. Frucht bringen ist zwar das Ziel, aber das zentrale, wichtige und immer wiederkehrende Wort im Predigttext „bleiben“ ist von beiden gesagt: „Wer in mir bleibt – und der, in dem ich bleibe, bringt viel Frucht.“

Bleiben ist ein nicht allzu aktiver Vorgang. Man bleibt, man geht nicht weg, man wechselt nicht.

 

Man bleibt beim christlichen Glauben aus den unterschiedlichsten Gründen. Angebote gibt es ja heutzutage genug, auch religiöse. Kaum eine Zeit vor uns war so informiert und hatte solche Vielfalt zu bieten in Punkto Religion wie die unsere. Man muss heute gut begründen können, warum man am christlichen Glauben festhält.

 

Ich denke ein guter Grund ist, dass man weiß, wo man herkommt und wie der Glaube Kraft gibt fürs Leben. Jede und jeder hat da eigene Erfahrungen in guten wie in schlechten Zeiten.

Ein anderer guter Grund ist, dass im christlichen Glauben großer Wert auf den einzelnen Menschen gelegt wird. Jeder einzelne Mensch ist wichtig aber gleichzeitig auch geborgen in der Gemeinschaft aller.

 

Das ist die eine Seite: Wir bleiben in ihm. Aber mit dem Bleiben ist eine Sache auf Gegenseitigkeit gemeint. Jesus bleibt in uns.

Wohl ist damit gemeint: Glaube ist nicht überall da, wo Menschen behaupten, im Glauben zu handeln.

 

Ich erinnere mich an das Video eines amerikanischen Predigers, der über eine halbe Stunde lang über das Coronavirus predigte, um dann schließlich zum Schluss zu behaupten: Präsident Trump sei die von Gott geschenkte Waffe gegen den Virus.

Leider versäumte er zu sagen, warum er gerade auf diese Idee kommt.

 

Ich denke auch an vielleicht gutgemeinte Warnungen, die derzeit kursieren und etwas verallgemeinert so lauten: Passt auf, die Corona-Krise wird von irgendwelchen Personen oder Organisationen missbraucht. Sie behaupten, sie hätten sichere Hinweise und verweisen auf die Bibel. Leider jedoch werden keine konkreten Dinge genannt und die genauen Bibelstellen bleiben diese selbst ernannten Warner auch schuldig. Was sie erreichten ist Angst, die erzeugen diese Warner.

 

Jesus tut gut daran, dass er auffordert: Bleibt in mir! Ich erkenne an keiner Stelle der Bibel, dass Jesus Angst macht vor der Zukunft. Im Gegenteil, Jesus fordert auf zur Wachsamkeit und zum Vertrauen. Vertrauen auf unseren Gott, der auch in den schwierigsten Zeiten mit seinen Geschöpfen ist und der niemanden wegen eines Fehlers ausschließen wird. Denken Sie nur an das Gleichnis vom Vater und seinen Söhnen. Als der jüngere Sohn seinen Fehler erkennt und zurückkehrt nimmt ihn der Vater voll Freude auf. Selbst zu dem einen Verbrecher am Kreuz sagt Jesus: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.

 

Bleiben – ich in ihm, er in mir, meint Glauben ohne Hintergedanken. Glauben ohne berechnendes Schielen auf einen Nutzen oder Vorteil.

Dann wird daraus Frucht wachsen.

Die Frucht, die Jesus meint, ist nicht immer sichtbar und für alle zu erkennen.

Manchmal jedoch kann man hier und dort ein Zeichen entdecken. Man kann sozusagen eine reife Beere unter den Blättern des Weinstocks hervorschimmern sehen.

 

Jemand sagt uns: Damals hast du mir sehr geholfen, oder: Nur dass du mir zugehört hast, hat mir Trost gegeben.

Auch wenn wir über ein zu Ende gegangenes Leben nachdenken, können wir entdecken, was Frucht bringen bedeutet. Jedoch, wir müssen immer daran denken: Frucht bei Gott kann in unseren Augen etwas sehr Unvollkommenes sein. Daran erinnert uns der biblische Satz: „Der Mensch sieht, was vor Augen ist, Gott aber sieht das Herz an.“

 

Die Frucht eines Lebens ist oft nicht der große Erfolg, nicht dass man viel bewegt hat. Sie besteht oft mehr aus dem, was man hat geben können, wie man hat helfen können und wie man ein gutes Herz hatte und ohne Hintergedanken glauben konnte. Diese Frucht wird genährt vom Weinstock. „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben.“ Amen.

 

Gebet

Unser Gott, auch wenn wir immer noch die Auswirkungen der Gefahr durch das Coronavirus erleben, danken wir dir für die wärmenden Sonnenstrahlen des Frühlings, für die Fürsorge lieber Menschen, für die Gewissenhaftigkeit mancher Mächtigen.

Wir danken dir für die Geschenke unseres Lebens, für deine Treue zu uns Menschen.

Wir bitten dich für die Menschen, die durch die Krise in Schwierigkeiten geraten sind.

Schenke uns Ideen und Möglichkeiten zu helfen.

Lass uns bei all den gegenwärtigen Problemen nicht vergessen, dass auch unsere Kinder und Enkel noch eine lebenswerte Erde vorfinden sollen.

Vor dich bringen wir, was uns freut und was uns schmerz, unsere Hoffnung und unsere Sehnsucht.

 

Vater unser im Himmel.

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

 

Gott segne euch und behüte euch!

Gott lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig!

Gott erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch Frieden!

Amen