Predigt von Pastor Matthias Lasi für den Sonntag Kantate 10. May 2020

2. Chronik 5,2-14

2 Da versammelte Salomo alle Ältesten Israels, alle Häupter der Stämme und die Fürsten der Sippen Israels in Jerusalem, damit sie die Lade des Bundes des HERRN hinaufbrächten aus der Stadt Davids, das ist Zion.

3 Und es versammelten sich beim König alle Männer Israels zum Fest, das im siebenten Monat ist.

4 Und es kamen alle Ältesten Israels, und die Leviten hoben die Lade auf

5 und brachten sie hinauf samt der Stiftshütte und allem heiligen Gerät, das in der Stiftshütte war; es brachten sie hinauf die Priester und Leviten.

6 Aber der König Salomo und die ganze Gemeinde Israel, die bei ihm vor der Lade versammelt war, opferten Schafe und Rinder, so viel, dass es niemand zählen noch berechnen konnte.

7 So brachten die Priester die Lade des Bundes des HERRN an ihre Stätte, in den innersten Raum des Hauses, in das Allerheiligste, unter die Flügel der Cherubim,

8 dass die Cherubim ihre Flügel ausbreiteten über die Stätte der Lade. Und die Cherubim bedeckten die Lade und ihre Stangen von oben her.

9 Die Stangen aber waren so lang, dass man ihre Enden vor dem Allerheiligsten sah, aber von außen sah man sie nicht. Und sie war dort bis auf diesen Tag.

10 Und es war nichts in der Lade außer den zwei Tafeln, die Mose am Horeb hineingelegt hatte, die Tafeln des Bundes, den der HERR mit Israel geschlossen hatte, als sie aus Ägypten zogen.

11 Und die Priester gingen heraus aus dem Heiligtum – denn alle Priester, die sich eingefunden hatten, hatten sich geheiligt, ohne dass man auf die Abteilungen geachtet hätte -,

12 und alle Leviten, die Sänger waren, nämlich Asaf, Heman und Jedutun und ihre Söhne und Brüder, angetan mit feiner Leinwand, standen östlich vom Altar mit Zimbeln, Psaltern und Harfen und bei ihnen hundertzwanzig Priester, die mit Trompeten bliesen.

13 Und es war, als wäre es einer, der trompetete und sänge, als hörte man eine Stimme loben und danken dem HERRN. Und als sich die Stimme der Trompeten, Zimbeln und Saitenspiele erhob und man den HERRN lobte: “Er ist gütig, und seine Barmherzigkeit währt ewig”, da wurde das Haus erfüllt mit einer Wolke, als das Haus des HERRN,

14 sodass die Priester nicht zum Dienst hinzutreten konnten wegen der Wolke; denn die Herrlichkeit des HERRN erfüllte das Haus Gottes.

 

Predigt

Wir lesen von der Einweihung des 1. Tempels unter König Salomo.

Es ist vermutlich das Jahr 950 v. Christus, als der so genannte erste Tempel fertiggestellt und geweiht wurde. Im Jahr 587 v. Christus wurde er durch babylonische Truppen verwüstet und geplündert, um 515 v. Christus wurde der „Zweite Tempel“ errichtet, nach der Rückkehr des jüdischen Volkes aus dem babylonischen Exil. Im Jahr 70 n. Christus endet die Geschichte des Tempels mit der Zerstörung Jerusalems durch die Römer im Jüdisch-Römischen Krieg.

 

Der Ablauf der Einweihungszeremonie wird beschrieben und gleichzeitig wird mit der Beschreibung Theologie vermittelt.

Es war wohl das erste Mal, dass man in Israel ein festes Haus aus Steinen für Gott und den Gottesdienst gebaut hatte. Bisher konzentrierte sich Gottesdienst und Glaube auf die Stiftshütte, ein mobiles, großes Zelt, das schon die Israeliten bei der Wüstenwanderung begleitet hatte. Verständlich, dass man nur zur Einweihung des ersten Tempels einen großen Aufwand betrieb.

 

Aber was geht uns dieser alte Bericht von der Tempeleinweihung heute noch an?

Es gibt ein paar bemerkenswerte Beobachtungen an diesem schon 3000 Jahre zurückliegenden Ereignis.

 

Was macht eine Kirche zum Gotteshaus?

Bestimmte Gegenstände gehören als Mindestausstattung in eine Kirche:  Ein Kreuz, der Altar, Taufbecken, Bibel und Kerzen.

Natürlich kann man auch ohne diese Gegenstände Gottesdienst feiern. Viele aus unserer Gemeinde werden sich noch an die Zeit erinnern als man in improvisierten Räumen Gottesdienst feierte. Da war es für St. Katharina ein großer und wichtiger Schritt als man in die neu und wunderschön renovierte Kirche umziehen konnte. Auch damals hat man die Wiedereinweihung groß gefeiert.

 

Kreuz, Altar, Taufbecken, Bibel, Kerzen, kennzeichnen einen Raum als Gottesdienstraum. Damit ein Kirchengebäude zum Haus Gottes wird benötigt es Menschen. Wo Menschen sich versammeln, um Gott zu loben und um zu beten ist Gottesdienst. Man muss nicht einmal im selben Raum versammelt sein. Wir erleben das in diesen schwierigen Wochen. Auf der ganzen Welt versammeln sich Menschen übers Internet, um gemeinsam Gottesdienst zu feiern, Gott zu loben, zu beten, zu singen. Auch das ist lebendige Gemeinde, darauflegen wir großen Wert, denn Gemeinde Jesu Christi ist nicht an ein Haus gebunden.

 

Trotzdem schmerzt es, wenn wir uns nicht in der Kirche zu Gottesdienst und Abendmahl versammeln können.

Wir wissen nicht, wie lange dieser Zustand bleiben wird. Bevor nicht ein wirksames Medikament gegen das Virus gefunden ist, werden wir wohl nicht wieder Gottesdienst wie gewohnt feiern können.

 

Das Gebot der Nächstenliebe gebietet uns darauf zu achten, dass wir uns gegenseitig nicht leichtfertig der Ansteckungsgefahr aussetzen. Nach unserem evangelischen Verständnis ist auch ein Gottesdienst ohne Abendmahl ein vollwertiger Gottesdienst. Unser Gott bleibt uns treu, auch wenn wir keinen Wein und kein Brot im Abendmahl zu uns nehmen können.

 

Eine zweite bemerkenswerte Beobachtung:

Musik spielt im Gottesdienst eine große Rolle. Verschiedene Instrumente waren beteiligt: Zimbel, so etwas Ähnliches wie das Becken beim Schlagzeug, Harfen und Trompeten und natürlich Gesang.

Die Musik wird als Zeichen der Einigkeit dargestellt. Die Trompeter spielen wie ein einziger und der Gesang hört sich an wie mit einer Stimme.

 

Beim musikalischen Lob bezieht Gott das Heiligtum.

Bezeichnend ist, welche Textzeile die Gemeinde singt als Gottes Herrlichkeit das Haus erfüllt: “Er ist gütig, und seine Barmherzigkeit währt ewig”.

 

Güte und Barmherzigkeit, zwei Begriffe, die auf Gott angewendet zu einem geprägten Satz führen, der wörtlich übereinstimmend an unterschiedlichen Stellen im Alten Testament begegnet.

„Barmherzig und gnädig ist der HERR, geduldig und von großer Güte“, begegnet im Buch Exodus, in den Psalmen, im Buch Nehemia und beim Propheten Joel.

 

In vielen Erzählungen wird ausgeführt was Gottes Geduld, Barmherzigkeit und Güte bedeuten.

So fertigte Gott für Adam und Eva Felle, um sie nach dem Genuss des Verbotenen zu kleiden.

Als Kain seinen Bruder Abel erschlagen hatte und damit große Schuld auf sich geladen hatte, musste Kain mit den Konsequenzen leben. Gott schützte Kain trotzdem.

Ja, so gütig, barmherzig und gnädig ist Gott, dass er sogar mit sich handeln lässt. Sechs Mal versuchte Abraham, mit Gott zu handeln. Abraham erreichte, das Limit für Sodom und Gomorrha von fünfzig auf zehn Gerechte herunter zu handeln.

 

Barmherzig und gnädig ist der HERR, geduldig und von großer Güte findet schließlich das Ziel in Jesus Christus.

Jesus erfindet Geschichten, um Gottes Gnade und Barmherzigkeit anschaulich zu machen:

Vom Vater und seinen beiden Söhnen. Als der jüngere Sohn seinen Fehler erkennt und zurückkehrt nimmt ihn der Vater voll Freude auf.

Vom verlorenen und wiedergefunden Schaf.

Noch zum Verbrecher am Kreuz konnte Jesus sagen: „Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein.“

Und schließlich endet das letzte Buch der Bibel, die Offenbarung, mit dem Satz:

„Die Gnade des Herrn Jesus sei mit allen!“

 

Die Gnade des Herrn Jesus sei mit euch allen!

Gehen Sie gesegnet und behütet in die kommende Woche!

Amen

 

Gebet

 

Gütiger und barmherziger Gott, Dich wollen wir loben und preisen. Alles, in unserem Leben, haben wir dir zu verdanken. Unsere Erfolge, unsere Gesundheit, das Glück, die Liebe, die Freude wird danken dir dafür.

Nicht alle sind gesund, glücklich, voll Freude.

Wir bitten dich für alle, die anderen in Schwierigkeiten beistehen.

 

Vor allem in diesen Tagen denken wir an alle, die sich bei den Hilfs- und Rettungsdiensten und in Krankenhäusern einsetzen, um Leben zu retten. Sei bei ihnen, wenn sie sich um Hilflose, Kranke und Sterbende bemühen. Stärke sie, schenke ihnen Kraft und Mut, wo menschliche Möglichkeiten am Ende sind.

 

Wir bitten für alle Regierenden, die eine bisher nie dagewesen Krise bewältigen müssen.

Wir bitten für uns, damit wir rücksichtsvoll miteinander umgehen.

Stärke die Kranken, tröste die Trauernden.

Zu dir rufen wir: „Herr, erbarme dich!“

 

Vater unser im Himmel.

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

 

Gott segne euch und behüte euch!

Gott lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig!

Gott erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch Frieden!

Amen