Predigt von Pastor Matthias Lasi für den Sonntag nach Trinitatis, 14. Juni 2020

Predigt

Ich bin immer wieder überrascht und erstaunt über den schonungslosen Realismus der biblischen Denker und Schreiber. Ich gebe aber zu, dass man diesen Realismus nicht gleich auf den ersten Blick beim Lesen entdeckt.

 

Als ich unseren heutigen Text seit langem zum ersten Mal wieder las, dachte ich: Das ist ja Kommunismus in Reinform. Alle haben dasselbe, alle sind gleich, ein Herz und eine Seele. Kling zu schön, um wahr zu sein.

 

War es wirklich so bei den ersten Christen? Oder beschreibt Lukas in der Apostelgeschichte das Idealbild einer christlichen Gemeinde? Sie lebten in völliger Harmonie zusammen. Ein Herz und eine Seele, sogar wenn’s ums Geld geht herrscht schwesterliche und brüderliche Einigkeit. Keiner hatte Mangel.

Soweit der Abschnitt unserer Lesung zur ersten Gemeinde in Jerusalem.

 

Liest man weiter und nimmt die folgenden Sätze dazu, ergibt sich ein anderes Bild. Es wird geschrieben von einem Ehepaar,

Hananias und Saphira. Sie gehörten zur Gemeinde, verkauften ihren Acker und übergaben den Verkaufserlös den Aposteln für die Gemeinde. Jedoch einen Teil des Geldes behielten sie heimlich für sich.

 

Hier schimmert durch: So einfach und perfekt war es schon damals nicht. Auf der einen Seite steht das Ideal von christlichem Zusammenleben. Auf der anderen Seite gibt es die Realität unserer nur allzu menschlichen Empfindungen und Bedürftigkeiten.

 

Mich erinnern diese Sätze an unser Zusammenleben im Kleinen wie im Großen. In unseren Partnerschaften, Familien, Gemeinden, ja auch im Staat. Jedes Programm, jeder Plan, jedes Vorhaben und jede Beziehung müssen mit Leben gefüllt werden.

 

Was nützen die sinnvollsten Regeln, wenn nur wenige sie beachten? Eine Regierung kann mit den besten Vorsätzen und den sinnvollsten Zielen starten, wenn ihr jedoch das Vertrauen ihres Volkes fehlt, wird sie wenig bewirken.

 

Ohne ein gewisses Maß an Vertrauen können auch wir hier nicht als St. Katharina überleben. Ich danke Ihnen daher an dieser Stelle für das Vertrauen, das Sie dem Kirchenvorstand und mir entgegenbringen.

 

Noch ein Zweites ist mir bei unserem Textabschnitt aufgefallen: Im ersten Teil wird von der Menge der Gläubigen berichtet, um dann im zweiten Abschnitt vom vorbildlichen Verhalten des Josef, genannt Barnabas, zu erzählen.

 

Dieser Barnabas begegnet uns noch einige Male in der Apostelgeschichte.

 

Als der Apostel Paulus nach seiner dramatischen Lebenswende wieder nach Jerusalem zurückkehrte, wollten ihn die anderen Apostel wohl aus Sorge nicht aufnehmen. Man hatte Angst vor dem ehemaligen Christenverfolger. Warum soll der einstige Feind und Verfolger nun sich zum Freund und Unterstützer gewandelt haben?

 

Barnabas war es, der den Mut hatte, Paulus aufzunehmen und ihm den Zugang zur Gemeinde zu ermöglichen. Von da an war Barnabas ein enger Begleiter des Apostel Paulus.

 

Mir scheint, als wäre dieser Barnabas eine der wichtigen Vertrauenspersonen der damaligen Gemeinde gewesen. Selten wird sein Name genannt. Aber wenn genannt, dann in Verbindung mit großer Verantwortung.

 

Barnabas überbringt Spenden an die verarmte Gemeinde in Jerusalem. Er beurteilt die Situation in neu entstehenden Gemeinden und gibt sein OK, dass dort alles in Ordnung ist. Sicher war das nicht alles was er geleistet hat.

 

Mit Barnabas lernen wir einen Menschen kennen, der im Verborgenen die Gemeinde leitet und unterstützt. Sicher war er die gute Seele der jungen Gemeinden. Derartige Personen gibt es in jeder Gemeinde. Menschen, die großes Vertrauen genießen, die jedoch in der Öffentlichkeit nicht gerne hervortreten. Sie haben ein offenes Ohr und ein aufmerksames Herz für die Anliegen und Nöte der anderen. Sie erkennen, wo Hilfe notwendig ist und helfen unauffällig.

 

Auch in unserer Gemeinde gibt es solche guten Seelen.

Menschen, die im Hintergrund und oft unbemerkt für das Wohl unserer Gemeinde große Leistungen vollbringen. Leider bekommen sie viel zu wenig Dank und Anerkennung, weil sie sich im Hintergrund einsetzen.

 

Spontan könnte ich einige Personen aufzählen. Es wäre mir jedoch sehr peinlich und an dieser Stelle wäre es auch ein großer Fehler, wenn ich bei der Aufzählung jemanden vergessen würde. Trotzdem möchte ich allen danken, die sich für unsere Gemeinde St. Katharina einsetzen.

 

Von allen diesen vielen, starken Schultern wird unsere Gemeinde getragen, sei es mit der Pflege unseres Kirchengebäudes, der Ausarbeitung von Beiträgen für den Gemeindebrief, dem Einsatz in der Kinder- und Jugendarbeit, dem Chor, der Gemeindeleitung bis hin zu allen gut gemeinten Anregungen und dem Gebet unserer Freunde, die unterstützend an uns denken. Sicher ließe sich diese Aufzählung fortsetzen.

 

Alle gemeinsam prägen wir die Atmosphäre unserer Gemeinde. Alle zusammen sind wir die Gesichter von St. Katharina. Haben Sie herzlichen Dank! Gott segne Sie dafür.

Amen