Predigt von Pastor Matthias Lasi für den 12. Sonntag nach Trinitatis, 30 . August 2020

Liebe Gemeinde!

 

“Einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.” 1. Korinther 3, 11

Auf das Fundament kommt es an!

 

Drei Beispiele hierfür mögen dies verdeutlichen: In Österreich gibt es eine gewaltige Brücke zwischen Innsbruck und dem Brenner. Sie ist 192 hoch und steht auf riesigen Pfeilern und Brückenfundamenten. Nur weil die Fundamente stabil sind, hat die Brücke Halt.

 

Venedig ist eine wunderbare Stadt im Wasser mit unzähligen Kanälen und Wassersträßchen. Die Stadtoberen sind sehr besorgt. Denn Venedig versinkt immer mehr im Wasser. Vielleicht muss diese geschichtsträchtige Stadt einst in den Fluten des Meeres untergehen, weil ihr Fundament nicht fest ist.

 

Schließlich ein Beispiel aus Delmenhorst bei Bremen. Wir schreiben das Jahr 1909. Die ev. Stadtkirchengemeinde Delmenhorst kann sich zwar rühmen, die älteste Kirche am Ort zu haben, möchte aber einen ebenso hohen Kirchturm erhalten wie die inzwischen errichtete katholische St.- Marien Gemeinde. Aber das geht nicht. Der Boden, auf dem die Stadtkirche steht, ist zu feucht. Das Fundament kann nicht genug tragen. Der Turm wird zwar erhöht, aber nicht so viel, dass er den “konkurrierenden” Turm überragt. Auf das Fundament kommt es an!

 

Paulus greift ein ihm gut bekanntes Bild auf, mit dem er einerseits seinen eigenen Auftrag erklärt, andererseits andere dazu einlädt am Bau, das ist an der Kirche mitzuarbeiten. Doch das Wichtigste, das Entscheidende schlechthin ist getan: der Grundstein ist gelegt. Worauf nun weiter aufgebaut werden soll wird getragen durch Jesus Christus.

 

Was hier ineinander greift ist das Handeln Gottes und des Menschen Tun. Niemand soll sich übernehmen, niemand meinen, dass er selbst den Grundstein des Glaubens zu legen hätte. Aber wir sind eingeladen, unseren Glauben weiterzugeben. Jede Generation muss da für sich einen Weg finden.

 

Jede Generation muss für sich herausfinden, wie wollen wir auf diesem Fundament weiterbauen und unsere Werte, unsere Maßstäbe, unseren Glauben weitergeben. Wohin wollen wir mit unserem Leben, mit unserem Glauben? Wie kann eine Kirche glaubwürdig bleiben für die junge Generation, die sich in der Kirche nicht angesprochen fühlt.

 

Wenn das Fundament gelegt ist kann man weiterbauen. Für die Erziehung stellt sich dann die Frage: Wohin wollen wir denn eigentlich unsere Kinder bekommen, wie prägen wir sie, welche Werte vermitteln wir? Das ist die Frage nach den Eckpfeilern in einem Leben, nach den Grundwerten, die uns zuversichtlich leben und dann vielleicht auch einmal sterben lassen.

 

Ich denke, was wir unseren Kindern über unsere Liebe hinaus zunächst schulden, ist Erziehung und Bildung in einem sehr umfassenden Sinne, eine Begleitung ins Leben, die Zukunft möglich macht und nicht verbaut. Doch in gleicher Weise – und das ist die Gradwanderung jeder Erziehung – gehört dazu die Freiheit zur Entscheidung. Das Ermöglichen von Entscheidungen ist gerade das Entscheidende einer guten Erziehung.

 

Es gibt so viele unglückliche Erwachsene, die von ihren Eltern in eine Richtung gelenkt wurden, in welche sie gar nicht wollten. „Mein Traum war Ärztin“, sagt eine junge, hochintelligente Frau, „aber mein Vater war der Meinung, eine Frau muss nicht studieren. Also lernte ich Apothekenhelferin. Ich hätte nicht auf ihn hören sollen.“

„Ich bin Jurist, weil meine Eltern mich dazu gezwungen haben, eigentlich wollte ich lieber Pilot werden. Jetzt ist es zu spät.“ Derartige Sätze kann man immer wieder hören.

Wie soll sich denn ein Kind zwischen Alternativen entscheiden können, wenn Eltern alle Entscheidungen vorwegnehmen.

 

“Einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.” 1. Korinther 3, 11

Jesus Christus ist das Zentrum und die Grundlage unseres Glaubens. Die Bibel weißt uns auf Jesus Christus hin. Die Evangelien erzählen von Jesus, die Apostel und Schreiber des Neuen Testamentes denken darüber nach, welche Konsequenzen hat es, wenn jemand an Jesus Christus glaubt.

 

Jesus Christus als Zentrum, mit dieser Voraussetzung lesen wir die Bibel, von diesem Zentrum her verstehen wir sie. Die Bibel möchte gelesen werden. Die biblischen Schreiber selbst regen an, über ihre Worte nachzudenken, nachzuforschen und zu interpretieren, um dann miteinander Antworten auf die Fragen unserer Zeit zu suchen.

 

Paulus spricht von sich als Mitarbeiter, als ein Baumeister, der an einem großen Bau mit baut, er spricht von Christus, der das Fundament dieses Hauses ist und er spricht von der Gemeinde, von uns.

 

Das Haus der Kirche war zu jeder Zeit eine Baustelle, wir sehen es am Kölner Dom, an den großen Kirchen hier in Kiew, an unserer Kirche St. Katharina. Die Kirchen sind mit den ständigen Bauarbeiten ein Bild für das Leben selbst. Niemand wird mit seinem Leben allein fertig, das Leben ist einer unendlichen Baustelle vergleichbar. Es gibt immer etwas zu tun, aufzubauen, zu reparieren.

 

Auf der einen Seite ist etwas endlich fertig geworden, gelungen und geglückt, auf der anderen Seite bröckelt die Fassade schon wieder. Wenn aber die Grundlage stimmt, schadet das dem Gebäude insgesamt nicht.

 

Im Gegenteil, Renovierungsarbeiten lassen eine Kirche hinterher wieder in neuem Glanz erstrahlen. Und sie geben Sicherheit für diejenigen, die diese Kirche besuchen. Reparaturen am Gebäude dienen nicht zuletzt auch der Sicherheit seiner Besucher.

 

Hat jemand den Grund für sein Leben gefunden, bringt ihn so schnell nichts mehr durcheinander. Wer selber Halt gefunden hat, kann anderen Halt geben. Einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, Jesus Christus.

Amen