Deutsche Ev.-Luth. Gemeinde St. Katharina Gottesdienst, drittletzter Sonntag des Kirchenjahres, 08.11.2020. Pastor Matthias Lasi

Seit August konnten wir uns in St. Katharina wieder zum Gottesdienst treffen. Natürlich mit den notwendigen Abstands- und Hygieneregelungen. Nun müssen wir wieder Pause machen und die Kirche schließen, da meine Frau und ich mit dem Coronavirus infiziert sind. Wir dürfen unsere Wohnung nicht verlassen und der Kirchenvorstand hält es für besser, vorerst bis 15. November die Kirche sicherheitshalber geschlossen zu lassen.
Deshalb grüße ich Sie mit diesem Lesegottesdienst im Internet. Ich wünsche Ihnen trotz allem einen gesegneten Sonntag.
Ihr Pfarrer Matthias Lasi

So feiern wir diesen Gottesdienst im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen
Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,
(der Himmel und Erde gemacht hat)

Der heutige Sonntag steht unter dem Leitspruch Matthäus 5,9
Selig sind, die Frieden stiften, dann sie werden Gottes Kinder heißen.

Psalm 90,1-10
1 Herr, du bist unsre Zuflucht für und für. /
2 Ehe denn die Berge wurden und die Erde und die Welt geschaffen wurden,
bist du, Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit.
3 Der du die Menschen lässest sterben
und sprichst: Kommt wieder, Menschenkinder!
4 Denn tausend Jahre sind vor dir /
wie der Tag, der gestern vergangen ist,
und wie eine Nachtwache.
5 Du lässest sie dahinfahren wie einen Strom, /
sie sind wie ein Schlaf,
wie ein Gras, das am Morgen noch sprosst,
6 das am Morgen blüht und sprosst
und des Abends welkt und verdorrt.
7 Das macht dein Zorn, dass wir so vergehen,
und dein Grimm, dass wir so plötzlich dahinmüssen.
8 Denn unsre Missetaten stellst du vor dich,
unsre unerkannte Sünde ins Licht vor deinem Angesicht.
9 Darum fahren alle unsre Tage dahin durch deinen Zorn,
wir bringen unsre Jahre zu wie ein Geschwätz.
10 Unser Leben währet siebzig Jahre,
und wenn’s hoch kommt, so sind’s achtzig Jahre,
und was daran köstlich scheint,
ist doch nur vergebliche Mühe;
denn es fähret schnell dahin,
als flögen wir davon.

Kollektengebet
Jesus Christus,
du bist gekommen, um uns zu suchen. Du wirst wiederkommen, damit wir sehen, was wir jetzt glauben.
Ohne dich sind wir verloren. Ohne dich hat unser Leben keine Mitte und kein Ziel. Darum bitten wir dich: Komm zu uns. Lass uns nicht allein mit unseren Fragen, mit unseren Sorgen und Nöten, mit unserer Schuld. Komm zu uns, damit wir heil werden.
Amen

1. Lesung 1. Thessalonicher 5,1-11
1 Von den Zeiten aber und Stunden, Brüder und Schwestern, ist es nicht nötig, euch zu schreiben;
2 denn ihr selbst wisst genau, dass der Tag des Herrn kommt wie ein Dieb in der Nacht.
3 Wenn sie sagen: “Friede und Sicherheit”, dann überfällt sie schnell das Verderben wie die Wehen eine schwangere Frau, und sie werden nicht entrinnen.
4 Ihr aber seid nicht in der Finsternis, dass der Tag wie ein Dieb über euch komme.
5 Denn ihr alle seid Kinder des Lichtes und Kinder des Tages. Wir sind nicht von der Nacht noch von der Finsternis.
6 So lasst uns nun nicht schlafen wie die andern, sondern lasst uns wachen und nüchtern sein.
7 Denn die da schlafen, die schlafen des Nachts, und die da betrunken sind, die sind des Nachts betrunken.
8 Wir aber, die wir Kinder des Tages sind, wollen nüchtern sein, angetan mit dem Panzer des Glaubens und der Liebe und mit dem Helm der Hoffnung auf das Heil.
9 Denn Gott hat uns nicht bestimmt zum Zorn, sondern dazu, die Seligkeit zu besitzen durch unsern Herrn Jesus Christus,
10 der für uns gestorben ist, damit, ob wir wachen oder schlafen, wir zugleich mit ihm leben.
11 Darum tröstet euch untereinander und einer erbaue den andern, wie ihr auch tut.

2. Lesung Johannesevangelium 14,27-29
27 Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.
28 Ihr habt gehört, dass ich euch gesagt habe: Ich gehe hin und komme wieder zu euch. Hättet ihr mich lieb, so würdet ihr euch freuen, dass ich zum Vater gehe; denn der Vater ist größer als ich.
29 Und jetzt habe ich’s euch gesagt, ehe es geschieht, damit ihr glaubt, wenn es nun geschehen wird.

Wir bekennen unseren christlichen Glauben
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde,
und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen

Fürbittengebet
Jesus Christus,
niemand weiß, was die Zukunft bringen wird.
Viele versprechen dies oder kündigen jenes an.
Lehre uns wach sein im Warten auf deine Zukunft. Hilf uns, die falschen Propheten zu erkennen. Lass uns nicht auf große Worte und leere Versprechen hereinfallen. Hilf uns, unsere Angst zu überwinden. Gib uns Kraft, festzuhalten an der Hoffnung, die der Glaube schenkt. Und lass uns trotz unserer Hoffnung nicht vergessen, dass du uns in die Gegenwart gestellt hast, an unserem Arbeitsplatz, in unserer Familie, zu den Menschen, denen wir jeden Tag begegnen.

Vater unser
Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

Segen
Gott segne euch und behüte euch.
Gott lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig.
Gott erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch Frieden.

Predigt

Liebe Gemeinde,
ein bisschen beunruhigt es schon, das Bild, das Paulus im Predigttext für den Tag des Herrn gebraucht. Wer möchte schon von einem Dieb heimgesucht werden. Einbrecher in der Nacht – ein unangenehmer Gedanke. Wir versuchen, uns so gut wie möglich davor zu schützen, weil wir Angst haben.

Aber genau davor will Paulus bewahren. Er möchte die Angst vor der Zukunft nehmen und trotzdem die Zukunft nicht unwichtig machen.
„Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.“ an über 300 Stellen wendet sich die Bibel gegen die Angst und lädt ein zum Glauben an Gott, zum Vertrauen und zur Zuversicht.

Die Frage nach der Zukunft führt uns zurück in die Gegenwart, das was jetzt ist. Daran erinnert Paulus die Christen.
Die Praxis sieht aber oft anders aus:
Da gibt es Menschen, die leben nur in der Vergangenheit. Sie leben für die Bewahrung der Tradition und sind nicht bereit, sich weiterzuentwickeln. Für sie gibt es keine Zukunft und eigentlich auch keine Gegenwart.

Andere dagegen leben nur mit Blick auf die Zukunft. Fortschritt und Wachstum sind wichtig. Dabei könnten sie aus den Fehlern der Vergangenheit lernen.

Zwischen diesen beiden Gruppen gibt es noch eine dritte Gruppe. Sie interessiert nur die Gegenwart. Für sie gilt: Ich lebe heute, hier und jetzt oder nie. Was geht mich gestern und morgen an!

Vielleicht liebe Gemeinde, geht es ihnen auch so, dass sie sich gelegentlich zu der einen oder der anderen dieser drei Gruppen zählen können. Manchmal wirkt Geschehenes so stark, dass es Gegenwart oder Zukunft überdeckt. Manchmal beschäftigt der Gedanke an die Zukunft so sehr, dass er vor lauter Angst Gegenwart und Vergangenheit vergessen lässt.
Abschnitte wie der Predigttext können in solchen Situationen helfen, jetzt zu leben, ohne Vergangenheit und Zukunft aus dem Blick zu verlieren.

Jetzt leben umschreibt Paulus im Predigttext mit wach und nüchtern sein. Das Gegenteil davon nennt er schlafen und betrunken sein oder anders ausgedrückt: weltfremd oder weltbesessen sein.
Beides sind Möglichkeiten, die Realität und die Zukunft zu vergessen.

Der Weltfremde fragt: “Was geht mich das alles an? Damit will ich nichts zu tun haben. Ich lebe meinen Glauben für mich allein und das reicht.” Wer so schläft hat vielleicht einen Traum von der Zukunft. Er träumt vielleicht schon vom Reich Gottes, aber er träumt eben nur. Er wird vielleicht auch von dem träumen, was er im Glauben alles erlebt hat. Aber mit der Gegenwart hat das alles nichts zu tun. Der Weltfremde verschläft seine Verantwortung für das was ist und für das was kommt.

Zu Beginn der Pandemie hörte ich manche Stimmen, die behaupteten, einem richtigen Christen könne das Virus nichts anhaben. Wir werden nicht krank. Ich wunderte mich, wie man so träumen und die Warnungen ernsthafter Wissenschaftler ignorieren konnte. Inzwischen sind die Stimmen vorsichtiger geworden, weil einige der Wortführer selbst ernsthaft erkrankt waren. Man kann auch mit seinem geistlichen Gedankengebäude schlafen und die Realität aus dem Blick verlieren.

Beim Weltbesessenen sieht es umgekehrt aus:
Da ist nur die Gegenwart im Blick mit ihren Aufgaben und Chancen. Nun gilt es anzupacken. Chancen müssen genutzt und Probleme gelöst werden. Aber das kann sehr schnell umschlagen, wenn man entdeckt wie wenig der Einzelne erreichen kann. Dann schlägt der Arbeitseifer um in Katzenjammer. Dann schafft man sich alternative Fakten, weil man die Realität nicht mehr aushalten kann. War ursprünglich die Zukunft im Bereich des Machbaren, so ist sie jetzt völlig verloren und hoffnungslos.

Weltfremd oder weltbesessen, schlafen oder betrunken sein, beide Extreme verlieren die Zukunft, weil sie sich nicht richtig um die Gegenwart bemühen.
“Lasst uns wachen und nüchtern sein”, ruft Paulus im Predigttext auf, “angetan mit dem Panzer des Glaubens und der Liebe und mit dem Helm der Hoffnung auf das Heil”.

Panzer und Helm gehörten zur Ausrüstung eines Soldaten, die ihm Schutz verleihen sollte.
Diesen beiden Gegenständen werden Glaube, Liebe, Hoffnung zur Seite gestellt. Alles drei sind Dinge, die doch sehr verletzlich sind. Vielleicht kommt in der Zusammenstellung von Helm und Panzer mit Glaube, Liebe, Hoffnung zum Ausdruck, dass wir diese drei Ausrüstungsteile brauchen um in der Gegenwart wach und nüchtern zu leben.

Wir können uns Glaube, Liebe, Hoffnung aber nicht selbst machen.
Der Glaube gibt Standfestigkeit und Mut, bei schwierigen Entscheidungen. Der Glaube zeigt mir immer wieder, dass auch bei Fehlern, die ich mache, der Wert meines Menschseins nicht auch dem Spiel steht. Der Glaube zeigt mir, es gibt noch mehr als arbeiten und besitzen. Aber Glaube ohne Liebe, Mut ohne Bewegung zum Nächsten führt schnell zu Rechthaberei und Sturheit.

Dann wird das, was ich glaube zum einzig Richtigen. Die Standpunkte meiner Mitchristen müssen sich an meinem Glauben messen lassen. Aber habe ich denn die Wahrheit gepachtet?

Andererseits verliert die Liebe ohne den Glauben schnell die Energie, um auf andere zuzugehen. Liebe braucht den Glauben, um ausdauernd zu sein. Und Liebe braucht Hoffnung, weil sie sonst an der Gegenwart verzweifelt. Liebe braucht die Hoffnung, die Jesus hatte. Jesus hat in den Menschen das was war nicht übersehen. Aber er hat auch durchgeschaut auf die Chancen und Möglichkeiten, die in den Menschen stecken.

Glauben als Geborgenheit in Jesus und Liebe als die Zuwendung zu den Mitmenschen und Hoffnung als die Blickrichtung auf die Zukunft gehören zum Nüchternsein und Wachen.

Konkret wirkt sich das so aus, dass wir uns nicht dazu hinreißen lassen, irgendwelchen Berechnungen des Weltendes Glauben zu schenken. Bisher ist noch keine dieser Vorhersagen eingetroffen, sondern viel eher wurden die Menschen in eine falsche Sicherheit geführt, weil sie ja zu wissen meinten, was die Zukunft bringen wird. Sie lebten auf den Zeitpunkt des Endes hin und vergaßen ganz ihre Verantwortung für die Gegenwart.

Oder aber sie gerieten in solche Angst vor dem Nahen Ende, dass sie kopflos jedem scheinbaren Angebot von Sicherheit folgten.

Ich sehe uns heute in einer Zeit, in der viele trügerische Angebote von Sicherheit angeboten werden. Angesicht der Bedrohung durch das Coronavirus versuchen manche durch Kombination von Halbwahrheiten mit Erfundenem Sicherheit vorzugaukeln. Etwa wenn man behauptet, das Virus sei von Anfang eine Erfindung, um Menschen zu beherrschen. Das Schwierige dabei: Alle diese Theorien klingen in sich logisch.

Deshalb ist Wachsamkeit und Nüchternheit notwendig.
Keine der Verschwörungstheorien verhindert auch nur eine Infektion oder rettet gar ein Menschenleben. Ärzte aus den Krankenhäusern berichten uns etwas anderes als die Verschwörungstheoretiker. Und wer selbst mit ernsthaften Symptomen an Corona erkrankt war, wird kaum einer Verharmlosung des Virus zustimmen.

Paulus möchte vor beidem bewahren, vor falscher Sicherheit und vor panischer Zukunftsangst.
Seid nüchtern und wachsam! Fürchte dich nicht, ermutigt Gott in der Bibel, ich habe dich erlöst, ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein.
Amen