Deutsche Ev.-Luth. Gemeinde St. Katharina Gottesdienst, vorletzter Sonntag des Kirchenjahres, 15.11.2020. Pastor Matthias Lasi

Seit August konnten wir uns in St. Katharina wieder zum Gottesdienst treffen. Natürlich mit den notwendigen Abstands- und Hygieneregelungen. Nun müssen wir wieder Pause machen und die Kirche schließen, da meine Frau und ich mit dem Coronavirus infiziert sind. Wir dürfen unsere Wohnung nicht verlassen und der Kirchenvorstand hält es für besser, vorerst bis 15. November die Kirche sicherheitshalber geschlossen zu lassen.
Deshalb grüße ich Sie mit diesem Lesegottesdienst im Internet. Ich wünsche Ihnen trotz allem einen gesegneten Sonntag.
Ihr Pfarrer Matthias Lasi

So feiern wir diesen Gottesdienst im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen
Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,
(der Himmel und Erde gemacht hat)

Der heutige Sonntag steht unter dem Leitspruch 2. Korinther 5,10a: Wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi.

Psalm 126,1-6
1 Ein Wallfahrtslied.
Wenn der HERR die Gefangenen Zions erlösen wird,
so werden wir sein wie die Träumenden.
2 Dann wird unser Mund voll Lachens
und unsre Zunge voll Rühmens sein.
Da wird man sagen unter den Völkern:
Der HERR hat Großes an ihnen getan!
3 Der HERR hat Großes an uns getan;
des sind wir fröhlich.
4 HERR, bringe zurück unsre Gefangenen,
wie du die Bäche wiederbringst im Südland.
5 Die mit Tränen säen,
werden mit Freuden ernten.
6 Sie gehen hin und weinen
und tragen guten Samen
und kommen mit Freuden
und bringen ihre Garben.

Kollektengebet
Gott,
wir sind dankbar, dass wir im Frieden leben können. Wir sind uns gleichzeitig auch bewusst, dass nicht alle Menschen, leider auch in unserem Land in Frieden leben. Es schmerzt uns, wenn wir daran denken, was es für diejenigen bedeutet, die im Kriegsgebiet leben, die Angst, die Unsicherheit, die Bedrohung. Es schmerzt uns, wenn wir an diejenigen denken, die wegen des Krieges ihre Heimat verlassen mussten und jetzt als Fremde in einer fremden Stadt Schutz und Ruhe suchen. Es schmerzt, wenn wir miterleben wie in manchen Ländern wieder Spaltung und Hass gefördert werden, anstatt auf Verständigung und Frieden zu setzen.
Amen

1. Lesung 2. Korinther 5,6-10
6 So sind wir denn allezeit getrost und wissen: Solange wir im Leibe wohnen, weilen wir fern von dem Herrn;
7 denn wir wandeln im Glauben und nicht im Schauen.
8 Wir sind aber getrost und begehren sehr, den Leib zu verlassen und daheim zu sein bei dem Herrn.
9 Darum setzen wir auch unsre Ehre darein, ob wir daheim sind oder in der Fremde, dass wir ihm wohlgefallen.
10 Denn wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi, auf dass ein jeder empfange nach dem, was er getan hat im Leib, es sei gut oder böse.

2. Lesung Lukas 16,1-9
1 Er sprach aber auch zu den Jüngern: Es war ein reicher Mann, der hatte einen Verwalter; der wurde bei ihm beschuldigt, er verschleudere ihm seinen Besitz.
2 Und er ließ ihn rufen und sprach zu ihm: Was höre ich da von dir? Gib Rechenschaft über deine Verwaltung; denn du kannst hinfort nicht Verwalter sein.
3 Da sprach der Verwalter bei sich selbst: Was soll ich tun? Mein Herr nimmt mir das Amt; graben kann ich nicht, auch schäme ich mich zu betteln.
4 Ich weiß, was ich tun will, damit sie mich in ihre Häuser aufnehmen, wenn ich von dem Amt abgesetzt werde.
5 Und er rief zu sich die Schuldner seines Herrn, einen jeden für sich, und sprach zu dem ersten: Wie viel bist du meinem Herrn schuldig?
6 Der sprach: Hundert Fass Öl. Und er sprach zu ihm: Nimm deinen Schuldschein, setz dich hin und schreib flugs fünfzig.
7 Danach sprach er zu dem zweiten: Du aber, wie viel bist du schuldig? Der sprach: Hundert Sack Weizen. Er sprach zu ihm: Nimm deinen Schuldschein und schreib achtzig.
8 Und der Herr lobte den ungerechten Verwalter, weil er klug gehandelt hatte. Denn die Kinder dieser Welt sind unter ihresgleichen klüger als die Kinder des Lichts.
9 Und ich sage euch: Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon, damit, wenn er zu Ende geht, sie euch aufnehmen in die ewigen Hütten.

Wir bekennen unseren christlichen Glauben
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde,
und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen

Fürbittengebet
Jesus Christus,
niemand weiß, was die Zukunft bringen wird.
Viele versprechen dies oder kündigen jenes an.
Lehre uns wach sein im Warten auf deine Zukunft. Hilf uns, die falschen Propheten zu erkennen. Lass uns nicht auf große Worte und leere Versprechen hereinfallen. Hilf uns, unsere Angst zu überwinden. Gib uns Kraft, festzuhalten an der Hoffnung, die der Glaube schenkt. Und lass uns trotz unserer Hoffnung nicht vergessen, dass du uns in die Gegenwart gestellt hast, an unserem Arbeitsplatz, in unserer Familie, zu den Menschen, denen wir jeden Tag begegnen.

Vater unser
Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

Segen
Gott segne euch und behüte euch.
Gott lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig.
Gott erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch Frieden.

Predigt
Liebe Gemeinde,
in Deutschland wird dieser vorletzte Sonntag des Kirchenjahres auch Volkstrauertag genannt. Es ist ein Trauertag in Erinnerung an die Weltkriege, in die Deutschland so unheilvoll verstrickt war. Es ist auch ein Tag der Mahnung für diejenigen, die diese schreckliche Zeit nicht miterlebt haben. Wir denken an die Menschen, die durch diese Kriege und alle Kriege seither direkt und indirekt umgekommen sind. Wir denken an die Menschen, die durch menschliches Tun und Unterlassen umgekommen sind, an all die Opfer des Mordens und Tötens mit Worten und Waffen. Wir denken an die, die durch solcherlei Gewalt um ihre Chancen im Leben gebracht worden sind – um ihre Kindheit, um ihre Ehe, um ihre beruflichen Möglichkeiten.
Im Predigttext heute geht es um einen Mann, der seine Beziehungen einsetzt, um überleben zu können. Es ist eine Geschichte, die im Zusammenhang des Lukastextes erst einmal befremdet.
Kurz zuvor hatte Jesus von Gottes Liebe und Vergebung erzählt. Vom verlorenen Schaf, vom verlorenen Groschen, vom verlorenen Sohn. Gott liebt das, was verloren gegangen ist.
Und jetzt diese Geschichte vom betrügerischen Verwalter. Er verschleudert den Besitz seines Chefs und muss Rechenschaft ablegen.
Es ist die Geschichte von einem Ende. Ein Verwalter – damals wie heute mit dem Vermögen anderer Leute betraut – wird entlassen. Entlassen, weil er eine Schuld aufgeladen hat, deren Folgen er tragen muss. Nicht rechtmäßiger Umgang mit dem Geld seines Auftraggebers. Damals kassierten die Verwalter noch keine hohen Abfindungen, wie einige Verwalter heutzutage, so dass ihnen damals ein echtes, berufliches Ende bereitet wurde.
Der Verwalter fragt sich: was soll ich tun – ich kann doch nichts, oder besser: nichts anderes. Graben – also mit meiner Hände Arbeit Geld verdienen – kann ich nicht und betteln, nein, das will ich nicht. Ich schäme mich dafür. Das Ende des Verwalters ist hier ein Bild. Es steht für die Grenzen, die unser aller Leben kennt. Grenzen von Scheitern und nicht mehr weiter- können. Keiner kommt und sagt: “Macht doch nichts – ich habe gleich hier etwas Neues für dich.” Nein, wir müssen wieder neu anfangen, wir müssen wieder von vorne anfangen.
Das Gleichnis schont darin den Verwalter nicht – mit keinem Wort wird sein Tun gerechtfertigt oder gebilligt. Nein – zu Recht steht er vor seinem persönlichen Ende. Wir aber können daran lernen, wie der Verwalter mit seinem Ende umgeht. Er streckt nicht den Finger aus und deutet auf die, die man für sein Versagen verantwortlich machen könnte. Er sagt: was kann ich denn jetzt eigentlich tun.
Seine Reaktion wird gelobt, dass er Schuld erlässt. Nicht die eigene, sondern die Schuld der anderen. Viele haben das in der Vergangenheit getan und tun das auch heute. Sie fragen: Was kann ich tun? Wie können wir erreichen, dass verfeindete Menschen und Völker über Gräben hinweg wieder miteinander in Kontakt kommen?
Sie suchen den Kontakt zu denen, die auf der anderen Seite als Gegner gegenüberstehen. Der Verwalter geht zu den Leuten, denen er einst gegenüber als Handlanger seines Herrn, als Schuldeneintreiber aufgetreten ist. Er überwindet Gräben, er reicht seine Hand den ehemaligen Gegnern.
Gott-sei-Dank ist das auch nach dem 2. Weltkrieg geschehen. Partnerschaften sind dadurch entstanden. Der Verwalter nimmt seine Gegner von damals nun als Gesprächs- und Handelspartner wahr. Er gesteht ihnen einen neuen Vertrag zu. Er reduziert ihre Schuld. Unerhört, er geht hin und reduziert die Schulden der anderen – auf Kosten seines Herrn. Wollte man das Gleichnis direkt und ungebrochen in unsere Welt übertragen wäre es eine Aufforderung zur Begehung einer Straftat. Natürlich dürfen Sie mit dem Geld, das ihnen anvertraut wurde, so nicht umgehen.
Aber Sie wissen schon, wer hinter dem Herren steht: es ist Gott selbst, der dort durchschimmert. Der Herr lobte den ungetreuen Verwalter, weil er so klug gehandelt hatte. “Wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi” gibt unser Wochenspruch zu bedenken. Alle. Ohne Ausnahme. So wie wir sind in unseren Verflechtungen von Schuld und Ohnmacht untereinander.
Wie gut wäre es da, wir würden von der Schuld des anderen etwas wegnehmen. Nicht die Schuld aus Geld, aber all die Dinge, die ich in meinem Herzen herumtrage. Alles, was ich anderen nachtrage, wo die anderen schuld sind. Wenn ich das vergeben kann, dann bin ich auf dem Weg des Lebens. Dann fällt auch mir das Leben leichter. Dann kann ich damit rechnen, dass der Herr des Lebens unser Rechnen, so wie es der Verwalter tut, gutheißen wird.
Im Blick auf unseren Volkstrauertag, im Blick auf unsere Toten und Opfer, im Blick auf die Opfer und die Schuld, die wir verursacht haben, ist es gut, wenn wir solche Verwalter haben. Die, die bereit sind, auf die andere Seite zu kommen und die Schuld zu reduzieren.
“Und der Verwalter sprach zum Schuldner: wie viel bist du schuldig? Und er sprach Hundert. Da sagte der Verwalter. Nimm deine Schuld und setz dich hin und schreib flugs: 50. Und der Herr lobte den ungetreuen Verwalter, weil er so klug gehandelt hatte.”
Amen