Unsere Glaube

KIRCHLICHE FEIERTAGE

LEBENSFESTE

 

Martin Luther (ursprünglicher Nachname Luder; * 10. November 1483 in Eisleben, Sachsen-Anhalt; † 18. Februar 1546 ebenda) war der theologische Urheber und Lehrer der Reformation.

Als zu den Augustinermönchen gehörender Theologieprofessor wollte er Fehlentwicklungen in der Römisch-Katholischen Kirche durch ausschließliche Orientierung an Jesus Christus als dem fleischgewordenen Wort Gottes beseitigen. Seine Entdeckung der Gnade Gottes, seine Predigten und Schriften – besonders seine Lutherbibel – veränderten die mittelalterliche Gesellschaft nachhaltig. Sie wurden von den Fürstentümern des 16. Jahrhunderts dazu genutzt, die Zentralmächte von Papst und Kaiser zurückzudrängen. Unter ihrem Einfluss kam es entgegen Luthers Absichten zu einer Kirchenspaltung, Bildung der Evangelisch-Lutherischen Kirche und weiterer Konfessionen des Protestantismus.

Evangelisch-Lutherische Kirchen sind christliche Kirchen, deren Konfession sich auf die Bibel des Alten und Neuen Testaments und in Teilen auf die Dogmenbildung der Alten Kirche und auf die Bekenntnisschriften der evangelisch-lutherischen Kirche gründet, die im Zuge der Wittenberger Reformation von Martin Luther und anderen lutherischen Theologen, wie beispielsweise Philipp Melanchthon, verfasst wurden.
Die lutherischen Kirchen haben heute drei Hauptrichtungen, die sich in drei weltweiten Organisationen ausdrücken:
Lutherischer Weltbund, gegründet 1947 mit 147 Mitgliedskirchen und ca. 66 Millionen Mitgliedern, zu dem u.a. die deutschen Evangelisch-Lutherischen Landeskirchen und die Evangelical Lutheran Church in America gehören
Internationaler Lutherischer Rat mit 30 Mitgliedskirchen und ca. 5 Millionen Mitgliedern, zu dem u.a. die Selbständige Evangelisch-Lutherische Kirche und die Lutheran Church – Missouri Synod gehören
Konfessionelle Evangelische Lutherische Konferenz mit 19 Mitgliedskirchen, zu denen u. a. die Evangelisch-Lutherische Freikirche und die Evangelisch-Lutherische Wisconsin-Synode gehören.

ADVENT UND WEHNACHTSZEIT

Advent

Das Kirchenjahr beginnt mit der Adventszeit. Advent heißt Ankunft. Wir war­ten auf die Ankunft Gottes. In dreifacher Weise kommt Gott bei uns an: in der Geburt Jesu vor 2000 Jahren, in unserem Herzen heute und am Ende der Zeiten. Die vier Wochen der Adventszeit sind eine Zeit des Wartens und werden als Zeit der Erwartung, als Zeit der Vorbereitung auf das Weihnachtsfest gestaltet. Der Advent erinnert uns: Wir Menschen sind noch nicht am Ziel. Wir suchen noch, wir haben Sehnsucht. In den Gottesdiensten an den vier Sonntagen der Ad­ventszeit geht es um das Kommen des Erlösers Jesus Christus.
Der Rummel der Vorweihnachtszeit beschert den Geschäften große Gewinne -denen, die für ihre Familien das Weihnachtsfest vorbereiten, bringt er dagegen viel Unruhe und Stress. Der Sinn dieser Zeit ist aber, dass Gottes Friede unter uns zu leuchten beginnt.

Weihnachten

Weihnachten erfüllt uns mit der Ahnung, dass es doch eine Heimat geben muss, in der wir für immer daheim sein können, und dass das Licht endgültig alle Dunkelheit und Kälte vertreiben wird. Wir stellen Christbäume auf, zünden Kerzen an, wir singen Weihnachtslieder und feiern mit diesen Bräuchen, dass in unserer Welt etwas anders geworden ist durch das Kommen des Gottessohnes.
Der Termin des Geburtsfestes: Weihnachten, also die Feiertage am 25. und 26.12. und der Heilige Abend am 24.12. sind nicht das ursprüngliche Ge­burtsfest Christi. Bevor sich im Westen der Termin des 25. und 26. Dezember für das Christfest durchgesetzt hat, hat die Kirche das Epiphaniasfest am 6.1. als Geburtsfest begangen. Die Ostkirche feiert noch heute nach dem alten Kalender am 6. und 7. Januar ihr Weihnachtsfest.
An Weihnachten werden in den Kirchen viele Gottesdienste gefeiert:
Am Heiligabend nachmittags die Krippenspiele, am Abend die Christvesper und in der Nacht die Christmette. Am 1. Weihnachtsfeiertag und am 2. Weihnachtsfeiertag kommt die Gemeinde zu Festgottesdiensten zusammen.

PASSIONSZEIT

„Passio” ist ein lateinisches Wort und heißt Leiden.
Sieben Wochen lang bedenken wir Christen in besonderer Weise
das Leiden und Sterben von Jesus Christus.
Die Passionszeit ist als stille und besinnliche Zeit gedacht. Während man an Fasching noch einmal so richtig ausgelassen ist, beginnt mit dem Aschermittwoch die Passionszeit.
Diese sieben Wochen bis Ostern sollen uns dazu helfen, auf die „Kreuzwege” des Lebens zu achten.

Bräuche
Aschermittwoch:
Mit dem Aschermittwoch beginnt die vierzigtägige Fastenzeit. Der Aschermittwoch hat seinen Namen von dem Aschenkreuz, das seit dem Mittelalter in der katholi­schen Kirche den Büßern auf die Stirn gezeichnet wird. Die Asche erinnert an die Vergänglichkeit und ist eine Mahnung zur Umkehr.

Fasten:
„Große Fastenzeit”, so nennt die orthodoxe Kirche die Passionszeit. Wenn Christen in der Passionszeit fasten, wollen sie auch mit dem Körper mit Jesus und mit den Leidenden in der Welt „mit-leiden”.
Auch in der evangelischen Kirche gibt es Menschen, die „fasten”, das heißt, die in dieser Zeit freiwillig auf bestimmte Dinge verzichten: auf alkoholische Getränke zum Beispiel, auf Süßigkeiten, auf Wurst und Fleisch, auf Fernsehen oder auf un­nötiges Autofahren. Mit ihrem Fasten wollen sie sich von Gewohnheiten und Zwängen der Überflussgesellschaft befreien und wieder offen werden für Gott -und für den Mangel und die Nöte anderer. In der evangelischen Kirche gibt es keine festen Fas­tenregeln, aber die Erfahrung: es gibt einen lohnen­den Verzicht.

DIE KARWOCHE
Mit dem Palmsonntag beginnt die Karwoche. Sie hat ihren Namen von dem alt­hochdeutschen „chara”, was soviel wie Trauer, Leid, Klage bedeutet. Die „Große Woche” hieß sie in Jerusalem schon im Jahre 400 nach Christus. So heißt diese Woche auch in der Russisch-Orthodoxen Kirche. Das ist die „Stille Woche” oder auch die „Heilige Woche” im Gedenken an das Leiden von Jesus Christus.
Palmsonntag
Dieser Sonntag erinnert daran, wie Jesus auf einem Esel in Jerusalem einzog, und die Menge ihm zujubelte und mit Palmzweigen winkte.
Brauch
In vielen Wohnungen werden Palmkätzchenzweige in die Vasen gestellt. Katholi­sche Christen stecken sie hinter das Kreuz im Herrgottswinkel in ihrer Wohnung.
Gründonnerstag
Der Donnerstag der Karwoche, der Gründonnerstag, erinnert an das letzte Zu­sammensein Jesu mit seinen Jüngern bei Brot und Wein. Beim Austeilen des Brotes und beim Weitergeben des Weinbechers erklärte Jesus die Bedeutung seines bevor­stehenden Todes.
Der Name „Gründonnerstag” kommt wahrscheinlich von „greinen” (weinen). An diesem Tag denken wir daran, wie Jesus von Judas an die Soldaten verraten und verhaftet wurde. Früher wurden Menschen, die von der Gemeinde abgekommen waren und darunter litten, an diesem Tag wieder zum Abendmahl eingeladen.

Karfreitag:
Der Karfreitag ist der Tag der Kreuzigung. Die Besinnung auf den Tod Jesu steht im Mittelpunkt der Gottesdienste.
Jesus Christus, der die Liebe Gottes gepredigt hat, der Kranke geheilt hat und der die Außenseiter gesucht hat, wurde von den religiösen Führern in Jerusalem als „Gotteslästerer” an den römischen Statthalter Pontius Pilatus ausgeliefert.

Bräuche
Schweigende Glocken: In vielen Kirchen werden an diesem Tag keine Glocken ge­läutet.
Leerer Altar: Der Altar wird leergeräumt. Als Zeichen für den Tod Jesu brennt keine Kerze mehr.
Friedhofsbesuch: Für viele evangelische Christen ist es Brauch, wie am Ewigkeits-sonntag, auch am Karfreitag zum Friedhof zu gehen und der Toten zu gedenken. Tanz- und Vergnügungsveranstaltungen sind am Karfreitag verboten.
bis an das Ende derWelt.

Karsamstag:
Das ist der Tag vor Ostern, der Tag bevor das Licht die Dunkelheit besiegt. Deshalb werden in vielen Kirchen zwischen Karsamstag und Ostersonntag, in der Nacht oder vor Sonnenaufgang Gottesdienste gefeiert. Wie in der ersten Kirche werden auch in diesen Osternachtgottesdiensten Menschen durch die Taufe mit Jesus Christus ver­bunden.

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OSTERN

An Ostern feiern wir, dass Jesus Christus auferstanden ist.
Sieben Wochen haben wir uns auf dieses Fest vorbereitet. Bis zum Pfingstfest ist nun „österliche Freudenzeit”, wieder sieben Wochen lang. Im Alltag zeigen sich die Spuren davon in unterschiedlichen Bräuchen. Ihren Sinn ergründen wir, wenn wir die Gottesdienste der Gemeinde mitfeiern.

An Ostern feiern wir, dass Gott Jesus vom Tod auferweckt hat. Die Macht des Todes ist besiegt. Der Tod hat nicht mehr das letzte Wort über unser Leben. Wir müssen zwar noch mit dem Tod leben. Wir müssen liebe Menschen hergeben, und auch unser eigenes Leben ist begrenzt. Aber wir leben und sterben unter dem Versprechen von Jesus, dass er die Toten auferwecken wird zu einem Leben, in dem es keinen Tod und kein Leid mehr geben wird.

Gottesdienste
Die Osternacht war der erste Tauftermin in der Kirche, weil wir durch unsere Taufe Anteil bekommen am Leben aus der Auferstehung. In vie­len Gemeinden geschieht das heute wieder so. Die Gläubigen treffen sich in der dunklen Kirche vor Sonnenaufgang. Mit der Osterkerze zieht das neue Licht in die Kirche ein, in der seit Karfreitag keine Kerzen mehr gebrannt haben. Dreimal wird gesungen: „Christus ist das Licht”. Die Orgel und die Glocken, die seitdem auch geschwiegen haben, erklingen wieder, und die Gemeinde stimmt die fröhlichen Osterlieder an. Kinder und Erwachsene werden getauft, denn wer getauft wird, bekommt neues Leben. Das heilige Abendmahl wird gefeiert aus Freude darüber, dass der Tod Jesu der Grund ist für unser Leben.
Oft bleibt man im Anschluss an den Osternachtgottesdienst beisammen und früh­stückt miteinander, um beim Essen und im Gespräch zu erleben: Menschen, denen der auferstandene Herr begegnet ist, finden zueinander; Christen sind eine große Gemeinschaft, auch wenn sie ganz verschieden sind.
In den Ostergottesdiensten am Ostersonntag und Ostermontag wird das Lob Gottes mit dem österlichen Halleluja vielfach gesungen, oft auch von Chören oder Musikgruppen aufgeführt. In den Lesungen aus der Bibel und in der Predigt hören wir, was es heißt, an den auferstandenen Herrn Jesus Christus zu glauben. Jeder der sechs Sonntage zwischen Ostern und Pfingsten und auch das Fest Christi Himmelfahrt, vierzig Tage nach Ostern, sollen uns helfen, als Christen von der Oster-freude zu leben. Als Zeichen dafür brennt in all diesen Gottesdiensten die Osterkerze.

Bräuche
Farbige Ostereier:
Im  Osternachtsgottesdienst  der  orthodoxen Christen (durch eine Kalenderreform der westlichen Kirche im 16. Jahrhundert stimmen die Ostertermine oft nicht überein) ruft man sich nach dem Osterevangelium zu: „Christus ist auferstanden!” Dabei stößt man retgefärbte Eier an, die von zu Hause mitgebracht wurden.

Der Osterhase:
Der Hase gilt als besonders fruchtbar. Außerdem heißt es, er schlafe mit offenen Augen. Das lässt sich beziehen auf das Leben, das den Tod  besiegt.  Dass der Hase die Ostereier legt, erzählt man erst seit dem 17. Jahrhundert. Andernorts waren dafür Fuchs, Kuckuck, Hahn oder Storch „zuständig”.

Osterkerzen:
In vielen Osternachtgottesdiensten zünden alle Gemeindeglieder eigene Kerzen an der großen Osterkerze an. Sie werden mitgenommen zum Osterfrühstück und auch mit nach Hause, wo sie das Osterlicht leuchten lassen.

Osterbrunnen:
In manchen Gegenden Deutschlands, vor allem in Franken, werden an Ostern Brunnen mit Kronen und Girlanden aus buntgefärbten Eiern geschmückt. Wasser ist nötig zum Leben. Wasser gehört auch zur Taufe. An Ostern wird es besonders dankbar in Ehren gehalten.
Osterspeisen:
In der Ukraine ist es Brauch, zu Ostern einen besonderen Kuchen zu backen, die Kulitsch. Orthodoxe Christen nehmen ihn mit in den Osternachtgottesdienst. Nachdem man sich das „Christos woskres – der Herr ist auferstanden” zugesagt und sich dreimal auf die Wange geküsst hat, wird der Kuchen angeschnitten. Neben der Kulitsch ist in Russland die Pascha eine beliebte Oster-speise, eine Quarkspeise mit viel Butter und viel Zucker.

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CHRISTI HIMMELFAHRT

An Ostern feiern wir: Christus ist auferstanden! An Christi Himmelfahrt denken wir daran, dass der Auf­erstandene nun bei Gott ist. In Erinnerung daran, dass der Auferstandene seine Jünger zum Abschied auf einem Berg zusammenrief, feiern viele Gemeinden den Gottesdienst an diesem Tag im Freien.
Auch das Fest Christi Himmelfahrt will Kraft geben: Jesus Christus kehrt heim zu Gott, aber er lässt uns nicht allein. Der Tod ist besiegt. Jesus ist unser König.
Alle Berichte des Neuen Testamentes über den Abschied Jesu sind verbunden mit dem Segen oder mit Verheißungen, die er seinen Jüngern mit auf den Weg gibt, den sie jetzt ohne ihn weitergehen müssen und weitergehen können. Auf eigenen Füßen stehen, selbstständig die nächsten Schritte gehen, können die Jünger, weil Jesus bei ihnen bleibt, auch wenn er nicht mehr sichtbar bei ihnen ist. Jesus Christus ist mit uns. Das ist eine Erfahrung, die viele Ihrer Vorfahren und viel­leicht Sie selbst machen konnten in „normalen” Zeiten und in Zeiten der Verfolgung.
Dieser Segen und diese Verheißungen werden für die Jünger Wirklichkeit bei dem Ereignis, das wir an Pfingsten feiern. Mit Pfingsten beginnt der zweite Teil des Kirchenjahres. Während es im ersten Teil um das Kommen und Gehen Jesu Christi ging, kommen jetzt die Entstehung der Kirche und ihr Weg durch die Zeit in den Blick.

PFINGSTEN

Als der Pfingsttag gekommen war, waren die Jünger alle an einem Ort bei­einander. Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Wind und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. Und es erschienen ihnen Zungen zerteilt, wie von Feuer; und er setzte sich auf einen jeden von ihnen, und sie wurden alle erfüllt von dem heiligen Geist und fin­gen an, zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen gab auszuspre­chen. (Apostelgeschichte 2, 1-4)

Die Apostelgeschichte erzählt, dass durch die Begeisterung der Jünger etwa 3000 Menschen „angesteckt” wurden, die auch mit zu den Jüngerinnen und Jüngern gehören wollten und sich taufen ließen. Daraus entstand die erste christliche Gemeinde. Pfingsten gilt deshalb als Geburtstag der Kirche.
Pfingsten damals und heute: Menschen glauben an Jesus Christus. Menschen hal­ten sich an seine Lehre. Mit ihrem Leben begeistern sie andere für ihren Glauben. Darin wiederholt sich die damalige Erfahrung, dass Gottes Geist durch Menschen wirkt.

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TRINITATIS

Der Sonntag nach Pfingsten
Im Unterschied zu den Festtagen in der ersten Hälfte des Kirchenjahres hat das Trinitatisfest keinen Bezug zu einem konkreten Ereignis. An diesem Tag soll viel­mehr das Wirken Gottes zusammengefasst werden, das uns auf dreifache Weise begegnet.

Das Kreuz deutet auf Jesus Christus hin. In Jesus kam Gott selbst in unsere Welt, wurde ein Mensch, wie wir es sind. Jesus wurde dann wie ein Schwerverbrecher am Kreuz hingerichtet, obwohl er überhaupt nichts falsch gemacht hatte. Durch seinen Tod löscht Gott aber alles aus, was in unserem Leben verkehrt ist. Und deshalb dür­fen wir wie Jesus Christus in Gottes neuer Welt weiterleben, auch wenn unser Leben in dieser Welt einmal zu Ende gehen muss.
Die Kerzen schließlich wollen uns sagen, dass Gott bei uns ist, jetzt, wenn wir hier in der Kirche vor dem Altar stehen, aber auch, wenn wir wieder nach Hause gehen. Gott begleitet uns wie ein Licht auf unserem Weg. Gott möchte unseren Schritten Orientierung geben, auch durch Worte aus der Bibel, besonders dann, wenn es uns nicht gut geht, wenn wir das Gefühl haben, alles um uns herum ist dunkel. Vor allem dann möchte Gott uns ganz nahe sein und wie ein Licht unsere Dunkelheit wieder hell machen. Dieses Versprechen steckt übrigens auch hinter Jahwe, dem hebräischen Wort für Gott: Gott ist der „Ich-bin-da!”.

ERNTEDANKFEST

Am ersten Sonntag im Oktober wird das Erntedankfest gefeiert. Es ist üblich, Altar und Altarraum mit Erntegaben zu schmücken. Die Früchte des Feldes und des Gartens werden in die Kirche gebracht, um Gott für diese Gaben zu danken. Viele Menschen arbeiten heute in Betrieben, Fabriken oder Büros. Sie haben keinen solchen Bezug mehr zu den Feldfrüchten wie manche Aussiedler, die ihre Zeit in Sibirien, Kasachstan oder anderswo nur überleben konnten, weil sie in ihren Gärten Obst und Gemüse angebaut haben.
Beim Erntedankfest wird gedankt für das tägliche Brot, für das Essen, aber auch für die Arbeit, die Wohnung, Familie, Freunde, die Gemeinschaft, vielleicht auch für erfahrene Hilfe in schwierigen Lebenssituationen. Es bie­tet die Möglichkeit, innezuhalten, sich zu besinnen auf das, was froh, glücklich und zufrieden macht – aber auch auf das, was nicht so gut gelaufen ist, auf die Misserfolge. Es zeigt sich, dass das Erreichte im Leben immer eine Verbindung aus selbst Geleistetem und göttlichem Ge­schenk ist. Daher darf und soll der Mensch genießen, was ihm durch Gott, den Schöpfer alles Lebens, zuteil gewor­den ist.

Am Erntedankfest wird in der evangelischen Kirche häufig ein Familiengottesdienst gefeiert, den auch die Kinder mitgestalten. Die mitgebrachten Gaben und Früch­te werden danach oft an Alten- und Kinderheime, an Kranke und Bedürftige verschenkt.

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REFORMATIONSTAG

Am 31. Oktober feiern die evangelischen Christen das Reformationsfest. Sie erin­nern sich daran, dass Martin Luther am 31. Oktober 1517 seine theologischen Einsichten in Form von 95 „Thesen” (Sätzen) öffentlich bekannt machte. Seine Absicht war, unter den Gelehrten in Wittenberg ein Streitgespräch zu beginnen, über den kirchlichen Handel mit „Ablassbriefen”. Die Menschen glaubten damals, trotz der Vergebung warteten nach dem Tod Strafen für ihre Sünden auf sie. Durch den Kauf dieser Briefe könnten sie die Strafen verkürzen.
Luthers zentrale Erkenntnis hingegen war, dass der Sünder allein aus Gnade von Gott angenommen wird (Römer 3,28). Der Mensch wird nicht durch seine Taten oder den Kauf von „Ablassbriefen” gerecht vor Gott, sondern allein aus Glauben. Luther hat diese Einsicht aus dem Studium der Heiligen Schrift gewonnen und durch seine Übersetzung der Bibel in die deutsche Sprache für alle zugänglich gemacht.

BUß- UND BETTAG

Der Buß- und Bettag ist ein evangelischer Feiertag, der am Mittwoch vor dem Ewigkeitssonntag begangen wird. Seit 1995 ist dieser Tag in Deutschland – außer im Freistaat Sachsen – kein gesetzlicher Feiertag mehr.

Der Büß- und Bettag dient der Besinnung. An diesem Tag erinnern wir uns daran, dass wir immer bereit sein sollen,uns an Gott zu wenden. Das kann in einem Gottesdienst geschehen, in der Beichte oder im Gebet.

EWIGKEITSSONNTAG

Am Ewigkeitssonntag geht es um das Gegenteil von Zeit: die Ewigkeit. Der Mensch kennt die Ewigkeit nicht. Als Geschöpf ist er immer an die Zeit gebunden. Wie kann man sich vorstellen, was Ewigkeit ist? Wie hat der Mensch Zugang zur Ewigkeit? Die Ewigkeit kann der Mensch nur kennenlernen, wenn er Zugang zu Gott hat. Denn Gott ist in Ewigkeit.

Bräuche
Gottesdienst am Gedenktag der Entschlafenen:
In den meisten evangelischen Gottesdiensten ist es Brauch, an die Verstorbenen des zu Ende gehenden Kirchenjahres zu erinnern. Die Namen derer, die seit dem Ewigkeitssonntag des Vorjahres in der Gemeinde verstorben sind, werden vorgele­sen. Es soll ein Trost für die Angehörigen sein, wenn sie noch einmal von der Auferstehung in die Ewigkeit hören. Auf dem Friedhof:
Bei Gemeinden, die einen eigenen Friedhof haben, kommt es auch vor, dass sie am Sonntagmorgen eine Andacht zum Gedenken an die Verstorbenen auf dem Friedhof halten. Viele Menschen richten in den Tagen des Totengedenkens die Gräber ihrer verstorbenen Angehörigen her und schmücken sie mit besonderem Blumenschmuck.

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TAUFE

Mit der Taufe wird ein Mensch in die christliche Gemeinschaft aufgenommen. Das wichtigste Element der Tauffeier ist das Wasser. Dreimal wird dem Täufling Wasser über den Kopf gegossen. Dazu spricht die Pfarrerin oder der Pfarrer: Ich taufe dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Urelement Wasser

Wasser ist das Urelement des Lebens. Nur mit Wasser kann Leben entstehen. Wasser kann aber auch eine Bedrohung für das Leben sein. Im Wasser kann Leben untergehen und enden. Der Täufling erfährt symbolisch im Wasserritus, was Jesus Christus durchlebt hat. Wie er durch den Tod hindurch zum ewigen Leben gelangt ist, so kommt das Wasser über den Täufling, und er “taucht auf” als Mensch des neuen Lebens.

Symbol Licht

Das Licht ist das zweite wichtige Symbol der christlichen Taufe. Es erinnert an das Jesuswort: “Ich bin das Licht der Welt” (Evangelium des Johannes 8, Vers 12). Für Getaufte kann im Gottesdienst und später an Erinnerungstagen der Taufe eine persönliche Kerze entzündet werden. Diese Taufkerze können Patin und Pate gestalten. In unserer Gemeinde wird die Taufkerze auch von Konfirmanden gestaltet und für den Täufling zur Taufe im Gottesdienst entzündet. Sie ist ein schönes Geschenk, das noch lange nachwirkt.

Der Glaube

Zur Taufe zugelassen sind alle, die bereit sind, den Glauben an Jesus Christus zu bekennen. Da die Kinder den Glauben noch nicht selbst bekennen können, sprechen Patinnen oder Paten stellvertretend das Glaubensbekenntnis. Um getauft zu werden, brauchen Jugendliche oder Erwachsene keine Patin bzw. keine Paten. Sie sprechen das christliche Glaubensbekenntnis selbst.

Christ sein

Die Taufe ist ein Sakrament, das von fast allen christlichen Kirchen anerkannt und praktiziert wird. Alle im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes Getauften gehören zur weltweiten Christenheit. Evangelisch Getaufte sind eingeladen, am christlichen Leben ihrer evangelischen Gemeinde vor Ort teilzunehmen und es mitzugestalten.

Das Patenamt

Aufgaben

Der Pate oder die Patin (Abkürzung für lateinisch „Pater spiritualis“ = “Geistlicher Vater“) übernimmt im Auftrag Gottes und der Kirche eine Mitverantwortung für das Patenkind. Die Patin oder der Pate versprechen in der Tauffeier, gemeinsam mit den Eltern dem Kind von seiner Taufe zu erzählen. Sie wollen sich bemühen, dem Kind zu einem eigenen Zugang zum christlichen Glauben zu verhelfen – z.B., indem sie ihm von Jesus Christus erzählen, mit ihm beten und den christlichen Glauben vorleben.

Kirchenmitgliedschaft

Damit die Paten ihre Aufgaben glaubwürdig übernehmen können, müssen sie Mitglieder einer christlichen Kirche und bei der Taufe anwesend sein. Vor der Taufe muss von den Paten eine Patenbescheinigung vorliegen, die sie bei ihrem Wohnsitzpfarramt ausgestellt bekommen.

Zahl der Paten

In der Regel sollten es zwei Paten sein. Mindestens eine Patin oder ein Pate soll der Evangelischen Kirche angehören; die weiteren können Mitglieder einer anderen christlichen Kirche sein. In besonderen Fällen genügt auch eine Patin oder ein Pate; oder die Kirchengemeinde hilft bei der Suche weiterer Paten. Menschen, die keiner christlichen Kirche angehören können nur Taufzeuge sein.

Patenbescheinigung

Die Paten müssen ihre Kirchenmitgliedschaft mit einer Patenbescheinigung nachweisen. Mit der Patenbescheinigung bestätigt die Kirchengemeinde, in der sie wohnen, dass sie das Patenamt übernehmen dürfen. Evangelische Kirchenmitglieder erhalten die Patenbescheinigung bei der Pfarrerin oder dem Pfarrer ihrer Gemeinde oder im Gemeindebüro.

Taufe und Konfirmation

Um konfirmiert zu werden, muss ein Kind getauft sein, denn die Konfirmation ist so etwas wie die Überprüfung und Bestätigung der eigenen Taufe. Allerdings kann jedes Kind – ob getauft oder nicht – am Konfirmationsunterricht teilnehmen. Möchte es sich am Ende der Unterrichtszeit konfirmieren lassen, findet kurz vor der Konfirmation oder im Konfirmationsgottesdienst die Taufe statt.

Die Vorbereitung auf die Taufe (Taufgespräch)

Wenn Sie Ihr Kind oder sich selbst taufen lassen wollen, wenden Sie sich bitte an das Gemeindebüro. Die Pfarrerin oder der Pfarrer werden einen Termin mit Ihnen vereinbaren, um das Fest in Ruhe besprechen zu können.
Bitte halten Sie zu diesem Gespräch die Geburtsurkunde des Täuflings bereit. Die Standesämter stellen bei Geburten in der Regel eine Bescheinigung “für religiöse Zwecke” aus. Bei erwachsenen Taufinteressenten ist das Familienstammbuch ausreichend. Sollten Sie vor dem Gespräch das Anmeldeformular zur Taufe schon erhalten haben, füllen Sie es bitte zum Gespräch aus.
Bei einer Kindertaufe ist es wertvoll, wenn neben den Eltern auch die Patinnen und Paten bei dem Vorgespräch dabei sind. Sie haben eine wichtige Funktion im Taufgottesdienst. Beim dem Treffen wird besprochen, wie die Tauffeier ablaufen soll.
Wichtig ist die Auswahl eines Taufspruches. Dieser biblische Vers soll den Getauften oder die Getaufte ein Leben lang begleiten. Wählen Sie ihn mit Sorgfalt aus und besprechen Sie mit Ihrem Pfarrer oder Ihrer Pfarrerin die Entscheidung.

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KONFIRMATION

Zur Kirchenmitgliedschaft reicht die Taufe. Bereichernd und schön ist es darüber hinaus, zusammen mit vielen Freunden in der Konfirmationsgruppe den christlichen Glauben verstehen zu lernen. Wer dann das Patenamt übernehmen will, muss in der Regel konfirmiert sein.
Die Konfirmation ist die Bestätigung der Taufe. Wenn das Kind nicht getauft ist, so wird es in der Regel am Ende des Konfirmandenunterrichts getauft; eine Bestätigung der Taufe, also die Konfirmation, ist dann nicht mehr notwendig, da das Kind ja schon selber Ja zu der Taufe gesagt hat. In der Praxis wird das Kind dennoch oft nach der Taufe konfirmiert.
Mit der Konfirmation wird u. a. das Recht zugesprochen, in allen evangelischen Gemeinden am Abendmahl teilnehmen zu können, Pate zu werden, eine Nottaufe vorzunehmen und als Erwachsener an kirchlichen Wahlen teilzunehmen (aktiv ab dem 16. Lebensjahr) oder in kirchliche Ehrenämter gewählt zu werden. Wenn jemand als Erwachsener getauft wird, so kommt der Taufunterricht dem Konfirmandenunterricht gleich.
Für die Konfirmation gibt es keine Altersbegrenzung. Voraussetzung ist, dass Sie getauft sind. Zur Vorbereitung auf die Konfirmation, wo Sie im Gottesdienst zusammen mit der versammelten Gemeinde gemeinsam den christlichen Glauben öffentlich bekennen, ist eine kirchliche Unterweisung nötig. Wie diese im Einzelnen aussieht, erfragen Sie bitte bei Ihrer Pfarrerin bzw. Ihrem Pfarrer.
Die Kleidung sollte den festlichen Charakter des Tages unterstreichen. In Einzelheiten gibt es örtlich und traditionell unterschiedliche Vorstellungen. Besprechen sie die Frage am besten mit Ihrem Kind oder bei einem Elternabend mit dem Pfarrer oder der Pfarrerin der Gemeinde.

Anmeldung und Ablauf

In der Regel findet im Frühjahr die Anmeldung zum neuen Konfirmandenjahrgang statt.
Die Konfirmandentage sind an den Inhalten des Katechismus orientiert. Lebensnah und erfahrungsbezogen sollen die Jugendlichen die grundlegenden Inhalte des christlichen Glaubens kennen lernen, ihre Gemeinde als eine Heimat erleben und als Gruppe zusammenwachsen.

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TRAUUNG (“KIRHLICHE  HOCHZEIT”)

In der kirchlichen Trauung wird die Liebe zwischen den beiden Partnern in den Horizont der Schöpfung eingezeichnet: Liebe ist nicht persönlicher Verdienst und ist auch nicht käuflich. Sie braucht regelmäßige Pflege, von den Liebenden und von der Welt, in der sie leben. Sie ist ein Geschenk Gottes. Dankbarkeit und Freude prägen deshalb die kirchliche Feier.
In der Trauung empfängt das Brautpaar den Segen Gottes. Den beiden Liebenden wird in der gottesdienstlichen Feier versichert, dass Gottes Segen sie in ihrem Wagnis “Ehe” begleitet. Denn es ist alles andere als selbstverständlich, dass zwei Menschen mit ihren je eigenen Träumen und Wünschen, Lebensplänen und -geschichten, Fähigkeiten und blinden Flecken eine feste und lebenslange Beziehung eingehen wollen und können.
Dass sie eine dauerhafte Beziehung wollen, machen die Brautleute im Trauversprechen öffentlich. Sie bringen vor der Festgemeinde und Gott zum Ausdruck, was sie einander bedeuten und dass sie sich einander versprechen. Wie Gottes Verheißung für gute und schlechte Tage gilt, wollen Partner und Partnerin in schönen und schweren Stunden zusammen bleiben, ihre Liebe gestalten und wachsen lassen.

Vorbereitung auf das Traugespräch

Das Brautpaar meldet im Gemeindebüro den Wunsch einer kirchlichen Trauung an. Mit der Pfarrerin bzw. dem Pfarrer kommt es dann zum Vorbereitungsgespräch. Für dieses Gespräch gibt es kaum feste Regeln. Meist geht es aber um die Gestaltung des Gottesdienstes und um das Paar selbst: die Liebe, wie sich beide kennen gelernt haben, was ihnen an einander wichtig ist und was sie von ihrer Beziehung erwarten.
Das Brautpaar kann sich auf das Gespräch mit folgenden Fragen vorbereiten: Gibt es einen Bibelspruch, einen Liedvers oder sonst einen Text, der uns beiden viel bedeutet? (Trauspruch)
Wollen wir Lieder und Musik mit auswählen? Welche Lieder wollen wir singen?
Sollen Verwandte und Freunde den Gottesdienst mitgestalten?
Welche Blumen wünschen wir uns in der Kirche?
Das Anmeldeformular können Sie sich vorab von dieser Webseite herunterladen und dann ausgefüllt zum Traugespräch mitbringen.

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BESSTATUNG

Bei einer kirchlichen Beerdigung geleitet die Gemeinde ihre verstorbenen Glieder zur letzten Ruhe und befiehlt sie der Gnade Gottes. Neben dem Bestattungsunternehmen, das die formalen Aspekte erledigt, wird vor der Beerdigung ein Gespräch zwischen dem Pfarrer und den Angehörigen geführt, bei welchem die Gestaltung der Beerdigung besprochen wird. Für den Pfarrer ist es wichtig, etwas vom Leben der/des Verstorbenen zu erfahren, damit die Predigt persönlich gestaltet werden kann.
Darüber hinaus wird den Angehörigen auf diese Weise seelsorgliche Hilfestellung angeboten.